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Aufbruch in's Heliumzeitalter

Ein Besuch in der CARGOLIFTER Luftschiffwerft

21.4.2001

Am 21. April 2001 war es Zeit für den zweiten Clubausflug des Jules Verne Clubs. Wie in der NAUTILUS Nr. 1 angekündigt, war das Ziel die CARGOLIFTER Luftschiffwerft im Spreewald, eine gute Stunde südlich von Berlin. Viele Arbeitskollegen wollten die Zeppelinwerft auch gerne sehen, so daß die stolze Zahl von 32 Teilnehmern zusammenkam.

 

Mit der Regionalbahn fuhren die Luftschiffahrtbegeisterten gemütlich in den Spreewald, vorbei an schönen Landschaften, die Lust auf eine Wiederkehr für eine Rad- oder Wandertour machten. Pünktlich um 10.26 h wurde der kleine Bahnhof Brand/Niederlausitz  (der eigentlich nur aus einem geschlossenen Bahnhofshäuschen inmitten von Wald besteht) von den vernianischen Ausflüglern überflutet. Am Bahnhof stieß dann auch Andreas Fehrmann mit seiner Familie zu der Gruppe. Nun ging es in gemütlichem ¼-stündigen Fußmarsch zur Zeppelinwerft.

Das Dorf Brand wird von Vernianern überflutet
Das Dorf Brand wird von Vernianern überflutet


Hier betrat die neugierige Reisegesellschaft das Besucherzentrum der „CARGOLIFTER WORLD“, wo in einem alten Flugzeughangar informative Videos vorgeführt wurden. Von der Errichtung des Luftschiffhangars über Testflüge im Blimp „Charly“ bis zum  Logistikkonzept der CARGOLIFTER AG war man so schon mal informiert.
Anschließend gab es an einem Modell des CARGOLIFTER CL 160 interessante Erklärungen zum Aufbau und Betrieb des geplanten Transportluftschiffes. Hier wurden die Besucher auch über die neuesten konstruktiven Änderungen (wie den Umstieg auf weniger, dafür aber bewegliche Triebwerke) informiert. Der vortragende junge Mann war offenbar noch nicht sehr routiniert, ließ sich aber dennoch nicht aus der Ruhe bringen, als Clubmitglied T.N. bemerkte: „Das riesige Ding kann doch jeder mit einem Luftgewehr vom Himmel holen!“  Nun begann eine Diskussion über die Abschießbarkeit verschiedener Luftfahrzeuge und die Reißfestigkeit moderner Textillaminate, die der Vortragende mit dem Hinweis auf erfolgreich überstandene Luftschiff-Attentate in den Vereinigten Staaten beendete.

Vorführungen am CARGOLIFTER Modell
Vorführungen am CARGOLIFTER Modell


Die Besucher wurden nun in Autobussen plaziert und eine Runde über das Werftgelände gefahren. Hier waren vor allem Flugzeughangars und Munitionsbunker zu sehen, denn die CARGOLIFTER Werft wurde auf einem ehemaligen sowjetischen Luftwaffenstützpunkt errichtet. Aus dem Bus sah man bereits die riesige Werfthalle, den größten Luftfahrzeughangar der Welt. Das Grau des Hangars hob sich kaum von dem grauen Himmel ab und man konnte die Dimensionen dieses Kolosses noch nicht richtig einschätzen.

Der größte Hangar der Welt: die CARGOLIFTER Luftschiffhalle
Der größte Hangar der Welt: die CARGOLIFTER Luftschiffhalle


Die Omnibusse erreichten den Hangar  und die „Lighter than Air Fans“ betraten staunend die  360 m lange und 210 m breite Halle, die aus einer hochmodernen Doppelhülle aus High-Tech-Textilbahnen auf Stahlrundbögen besteht.  Kaum zu glauben, aber diese Bögen sind mehr als 100 Meter hoch! Die Grundfläche der Halle beträgt ca. 63.000 Quadratmeter, der Rauminhalt mehr als 5 Millionen Kubikmeter. Diese Dimensionen kann man erst begreifen, wenn man ein in der Halle abgestelltes Fahrzeug oder einen unter der Hallendecke arbeitenden Techniker zum Größenvergleich heranzieht.
Der junge CARGOLIFTER-Angestellte (der durch das glücklich überstandene Schußwaffenattentat an Selbstsicherheit gewonnen hatte) informierte die interessierte Gesellschaft nun über den Aufbau der Halle und die Details der Heliumbefüllung der Luftschiffe sowie den nicht ungefährlichen Ablauf des „Aushallens“ der fertiggestellten Transportluftschiffe.

Das Trainingsluftschiff CHARLY und ein CL 75 in der Luftschiffhalle
Das Trainingsluftschiff CHARLY und ein CL 75 in der Luftschiffhalle


An dieser Stelle sei erwähnt, daß der Begriff „Zeppelin“ für das CARGOLIFTER Luftschiff nicht korrekt wäre, denn es besitzt kein tragendes Metallskelett. Es ist vielmehr ein „halbstarres Luftschiff“, das durch einen Kiel aus Verbundwerkstoff stabilisiert wird. Innerhalb der Außenhülle befinden sich außer dem Heliumgas nur noch ballonförmige Luftbehälter zum Druckausgleich.
Nach der Besichtigung der imposanten Halle ging es zu einem lächerlich kleinen Wellblechhangar, in dem das Experimentalluftschiff „Joey“ zu besichtigen war. Dieses 1:8 Modell des CL 160 wird für Materialtests und zur Erkundung des Flugverhaltens genutzt.

Das flugfähige 1:8-Modell JOEY
Das flugfähige 1:8-Modell JOEY


Und nun stand der Aufstieg in dem Helium-Fesselballon „High Rise“ auf dem Programm. Der Clubpräsident hatte sich bereits mit einem Taschenmesser bewaffnet, um den aufsteigenden Ballon von seinen Fesseln zu befreien und eine abenteuerliche Reise „5 Wochen im Ballon“ anzutreten. Doch leider spielte der Wettergott nicht mit, der Fesselballon durfte wegen starken  Windes nicht aufsteigen.

Der Fesselballon mußte leider am Boden bleiben...
Der Fesselballon mußte leider am Boden bleiben...


Die Stimmung war trotzdem gut, als die Ausflugsgesellschaft im Sonderbus in das Spreewalddorf Krausnick fuhr. Hier konnte man im gemütlichen Landhotel ein leckeres Mittagsmahl von der Jules-Verne-Club-Tageskarte bestellen und über das Gesehene fachsimpeln. Leider blieb nicht viel Zeit zum Plaudern, denn der Zeitplan war exakt kalkuliert und der Busfahrer drängte auf pünktliche Abfahrt. Also erreichten die Ausflügler wie geplant die Bahn, die um 17.20 h in Berlin eintraf. Alle waren zufrieden und verabschiedeten sich „Bis zum nächsten Mal!“.  


Bericht: D. Michaelis Fotos: D. Michaelis, S. Bersch
(C) 2001 Jules Verne Club Berlin