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“OCEANISCHE Notizen”

Ausflug 100 Meter unter das Meer zur Unterwasserstation OCEANIS

14.10.2000

Am Samstag, dem 14. Oktober 2000, um 5h20 MEZ, brach der Jules Verne Club Berlin zu seinem ersten abenteuerlichen Ausflug in die Welt alter und neuer Technik auf. Die Fahrt ging, für 3 von uns zumindest, vom Bahnhof Zoologischer Garten, Berlin, per hochspannungsgetriebener Eisenbahn via Bremen an die Nordseeküste.
Na ja, nicht ganz: Denn Wilhelmshaven   liegt am "Jadebusen", einer großen Bucht, die über einen natürlichen Kanal in die Nordsee mündet. Aus diesem Grund war Wilhemshaven auch mal ein bedeutender Marinehafen.
Unser Hauptziel war die "Oceanis" , der Beitrag Deutschlands zur letzten Welt-Exposition in Sevilla. Dazu findet man auch Schwester-Ausstellungen in der ganzen Stadt, die zusammen "Expo am Meer" heißen.

Eintreffen der Clubmitglieder in Wilhelmshaven
Eintreffen der Clubmitglieder in Wilhelmshaven


Wir waren nun zu viert, der Clubpräsident, 2 Mitglieder (alle in den besten Jahren) und ein jugendlicher Gast, gut ausgerüstet mit Windjacken, festen Schuhen und fotografischen Apparaten. Wir vier liefen ca. 9-3/4Minuten gespannt durch die Straßen der Stadt dem Großhafen entgegen, bis wir das Eingangsgebäudezur "Oceanis" sahen.

Man findet es am Kai neben Schiffen (wie der russischen "Tovarisch", also der ehemaligen "Gorch Fock I", die dort wegen finanzieller Untiefen vorerst endgültig ruht) und diversen Buden, ein großer Bau aus roten Backsteinen, der am einen Ende eine Aussichtsplattform aufweist, aber ansonsten nicht besonders auffällt.

Die Tovarisch (ehem. Gorch Fock I)
Die Tovarisch (ehem. Gorch Fock I)
 

Beim Eintritt wird man in einen elektrischen Fahrstuhl gelotst, der alsbald in der Tiefe zu versinken scheint,denn "Oceanis" umfasst eine weitläufigeUnterwasser-Station, mit Möglichkeit zur Erkundung der Meeresumgebung und Rückführung an die Oberfläche mittels eines speziellen"U-Flugzeugs"!

Einstiegstunnel zur Unterwasserstation
Einstiegstunnel zur Unterwasserstation
 

Wenn der Lift losruckelt, schlägt also durch die Dachluke sichtbar über dem Kopf das Wasser zusammen, und nach Ankunft bewegt man sich durch Blechtunnels auf Metallgitterstegen, begleitet von dem Geräusch der Wellen und ständigem Glucksen. Viele kleinere Exponate zeigen das Gerät welches Meereskundler benutzen, um Untersuchungen und Messungen am Meeresgrund durchzuführen. In einem ersten dunklen Seitenraum gab es erstaunliche Ansichten durch Bullaugen und Fenster zu besichtigen, während mitten im Raum wellenartige Lichteffekte über eine Strandplastik huschten.

Blick durch die Bullaugen
Blick durch die Bullaugen
 

Wir waren angenehm überrascht, dass die Besuchermenge sich in Grenzen hielt. Allerdings galt dies etwas zu extrem für die "Oceanis"-Crew. Von dieser war fast nichts zu sehen. Offensichtlich funktionierten diverse Kartografierungs- und Video-Anlagen, die man in dem daneben folgenden kreisförmigen Kontrollraum der"Oceanis" bestaunen konnte, völlig autonom!

Im Kontrollzentrum
Im Kontrollzentrum
 

Darauf erlangten wir Zugang zu einem Operationszentrum, dass anscheinend für Außenerkundung gedacht war. Diese Erkundung wurde ermöglicht durchTauchroboter, die man mit einem großen Steuerrad und einem Kontrollmonitor steuern konnte, um z.B. ein altes Wrack in der Nähe der Station zu untersuchen,und dort interessante Gegenstände zu bergen. Nichts hielt uns davon ab, einige mechanische Ausfahrten selber zu versuchen, auch ohne Anleitung der ausgeklügelten Steuerung, natürlich nur visuell. Bei der Rückkehr der eigenen Drone zur Station bekam man zum ersten Mal ein plastisches Bild davon wie die "Oceanis"aus 100m Abstand unter Wasser aussieht.

Ein Jules-Verne-Freund steuert den Tauchroboter
Ein Jules-Verne-Freund steuert den Tauchroboter
 

In diesem Operationszentrum gab es interessante Exponate von Gegenwarts- und Zukunfts-Projekten zu bestaunen, z.B. wie das vielverwendbare Chitosan aus Krabbenschalengewonnen wird, und wie ein Solar-Katamaran mit Platz für 50 Passagiere aussieht.
Von dort reihten wir uns ein für die Rückkehr zur Stadt in dem besonders entwickelten Tauchflugzeug der Station. Nachdem wir im Passagierraum Platz genommen hatten (da das Vehikel noch experimenteller Natur ist, war die Ausstattung noch etwas spartanisch - man musste praktisch stehen und sich an einer Reling festhalten), stellte sich uns Kapitän Hansen vor, der uns auch über die Technik des “Skydivers” informierte und die Flugroute beschrieb. Das Flugschiff sollte wahrhaftig noch im Wasser mit mächtigen Ionen-Antrieben beschleunigen, und dann durch die Oberfläche direkt in die Luft "springen" um von dort in einer großen Schleifezurück zum Wilhelmshavener Großhafen zufliegen, um dort wieder im Wasser zu landen und an der Kaimauer anzuhalten. Dies alles erlebten wir auch,obwohl die Flugkünste und riskanten Manöver unseres Kapitäns einiges an Rücksicht gegenüber Passagieren und sonstigen Verkehrsteilnehmern zu wünschen übrig ließen. Im Geiste Jules Vernes verziehen wir vier aber die Experimentalnatur der Sache, und genossen das Gefühl des Fliegens unter und über Wasser in vollen Zügen.
Geneigte Vernianer, ihr ermüdet sicherlich an der Länge dieses Berichts, auch wenn ich Euch erfolgreich die Fülle der Eindrücke übermitteln konnte (was ich bezweifle). Daher beschreibe ich den Rest des Ausflugstages in einem, vergleichsweise kurzen, Satz: Wir bestiegen die "Tovarisch", wo wir mit russischerFreundlichkeit begrüßt wurden, besuchten eine Ausstellung des Ministeriums für Verkehr in einer Halle die nur aus Containern gebaut war, sahen uns eine sehr gute Tiefsee-Ausstellung an (mit erstaunlichen Bildern der Umgebung der "schwarzen"und "weißen" Raucher, die an den Nähten der geologisch-tektonischen Platten unseres Planeten entstehen) und besuchten eine erbauende Vorstellung der exotischen Azoren-Inselkette.

Alter Taucherhelm in der Azoren-Ausstellung
Alter Taucherhelm in der Azoren-Ausstellung
 

Damit endete unser eindrucksreicher Ausflug zur "Expo am Meer" und der Avantgarde-Unterwasser-Station "Oceanis". Am Sonntag erkundeten wir noch in eigener Regie einige andere Orte, von denen ich persönlich das Wattenmeerhaus   wärmstens empfehle.
Der Clubpräsident ließ es sich nicht nehmen, noch das Marinemuseum  zu besichtigen, weil sich dort die Möglichkeit bot, ein echtes Unterwasserfahrzeug zu besteigen. Auf verschiedenen Wegen traten wir die Heimreise an.

U-Boot im Marinemuseum Wilhelmshaven
U-Boot im Marinemuseum Wilhelmshaven
 

Bericht: K. Bosse Fotos: D. Michaelis
(C) 2000 Jules Verne Club Berlin